2015 | Kopf Verkopft Verklopft | CHRISTIAN EISENBERGER

 

Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz
Installationsansicht Christian Eisenberger 2015, Foto: Tamara Lorenz


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Kopf Verkopft Verklopft

Eröffnung:
Freitag, 5. Juni 2015, 19 Uhr
Ausstellung bis 17. Juli 2015

Wir freuen uns, die erste Einzelausstellung von Christian Eisenberger in der Galerie MARTINETZ ankündigen zu dürfen.

Behind the Obvious. Das Selbstverständliche transformieren.
Die Frage nach der Selbstverständlichkeit bestimmter physiognomischer Attribute des unversehrten menschlichen Körpers markiert einen Ausgangspunkt in den Arbeiten Christian Eisenbergers. Die gezielte physische Veränderung, die er unter anderem mittels eines Ganzkörperanzugs aus braunem Paketband herstellt und der sich wie eine zweite Haut überstreifen lässt, gleicht einem gigantischen Kokon und ist überdies metaphorisch zu verstehen. Dabei visualisiert die Verpuppung in der Natur das Stadium eines transformatorischen Prozesses von einer Form in eine gänzlich andere. Die eigentliche Verwandlung bleibt hingegen verborgen. Eisenbergers körperliche Veränderung erfolgt für den Betrachter ebenfalls nur kognitiv erlebbar. Wir glauben zu wissen, dass er unter den Schichten schwitzt und die klimatischen Extreme sowie die Möglichkeit, durch die Maske in verschiedene Rollen zu schlüpfen, seine mentale Verfassung wesentlich affektieren. Die äußere Hülle jedoch bleibt unverändert und undurchdringlich.

Verfolgt man diese Spur, so lassen Eisenbergers Portraits, die den Schwerpunkt der Ausstellung „Kopf verkopft verklopft“ bilden, den inneren und äußeren Prozess durchlässig erscheinen. Dabei ist es unwesentlich, ob die sich im Kern ähnelnden Köpfe mit leeren Augen, Nasen und Mündern als erweitertes Selbstportrait ausgedeutet werden können. Allen gemeinsam ist die implizite Transformation, welche die angedeutete Figuration stets in die vollständige Auflösung entlassen kann. Die in sich verschlungenen Farbverläufe und deformierten Kopfformen scheinen inmitten eines Wandels begriffen. Dabei variieren die Portraits von einer zufälligen Farbausschüttung, die das menschliche Auge zu einem Gesicht montiert, bis hin zu Wesen mit zwei Köpfen, die Assoziationen an siamesische Zwillinge wecken und die kulturhistorische Ambivalenz von göttlichen Wesen und angstbesetztem Aberglauben beinhalten.

In einer eigens für die Präsentation geschaffene Ausstellungsarchitektur mit labyrinthischem Charakter, greift die räumliche Begebenheit das Spiel zwischen Schein und Sein auf. Die stets artifiziell angelegten, verzweigten Wege, die trotz häufiger Richtungswechsel meist in ein Zentrum führen, verbinden sich symbolisch mit den organischen Windungen des menschlichen Gehirns, die durch äußere Impulse stets neue Verschaltungen zur Folge haben. Dabei besitzt das Labyrinth heterotopische Qualität als real existierender Ort mit eigenen Gesetzmäßigkeiten, einer Parallelwelt, zu der man nicht jederzeit uneingeschränkten Zugang besitzt.

Nadia Ismail

Christian Eisenberger, 1978 in Semriach bei Graz geboren, lebt und arbeitet in Wien. Er studierte in der Klasse Transmediale Kunst von Brigitte Kowanz an der Universität für angewandte Kunst Wien.

 

Behind the Obvious. Transforming the Self-Evident.
The act of questioning certain physiognomic attributes of intact human otherwise seen as being self-evident marks as a starting point in the work of Christian Eisenberger. The specific physical change, which he produces through layers of brown packing tape, accumulates into a full body suit, a second skin as it were, resembles a giant cocoon and should be understood as a metaphor. In nature, pupation marks the visual stage of a transformative process from one form into another entirely different entity. The actual transformation, however, remains hidden. Eisenberger’s physical change occurs for the viewer only as a cognitive experience. We believe to know that he’s sweating under layers of stratification and climatic extremes and therein has the ability to slip into various roles through this masking, his mental constitution bearing the brunt of extreme affectation. The outer shell, however, remains unchanged and impenetrable.

If we follow this train of thought, Eisenberger’s portraits, which form the focus of the exhibition, „Kopf verkopft verklopft“ allow the inner and outer processes to become permeable. It is insignificant then, if the heads can be seen as extended self-portraits, regardless of their resemblance, with empty eyes, noses and mouths. Their mutual basis is the fact of their implicit transformation, the implied figuration being released into complete dissolution. The intertwining gradients and deformed head shapes seem to have been conceived amidst an abrupt change. The portraits range from random color distributions, which mount the human eye to a face to the point of characters with two heads; the sculptures arouse associations of Siamese twins and embody a cultural – historical ambivalence towards divine beings or anxiety-ridden superstitions.

The spatial attributes of the installation, akin to a site specific labyrinth architecture, play with the riddle of appearance and reality. The artificially branched paths that often lead to the center, despite frequent changes of direction, connect symbolic and organic convolutions of the human brain, resulting in new interconnections and external impulses. Herein, the labyrinth acquires a heterotopic quality; a real place existing with its own laws, a parallel world to which one has restricted access.

Nadia Ismail

Christian Eisenberger, born in 1978 in Semriach near Graz, lives and works in Vienna. He studied in the Transmedia Art Class of Brigitte Kowanz at the University of Applied Arts Vienna.