WE NEVER THOUGHT ABOUT DOCUMENTATION

Ben Kaufmann, Chrysanthi Koumianaki, Albert Mayr, Panos Papadopoulos

Eröffnung + Aktion:
Samstag, 09. März 2019, 17 – 22 Uhr

Ausstellung:
10. – 29. März 2019

WE NEVER THOUGHT ABOUT DOCUMENTATION

Besucherraum / Dokumentationsraum
Paravents, verkleidet mit verschiedenen Papieren und Folien teilen den großen weißen Ausstellungsraum der Galerie Martinetz. Der vordere Teil des Raumes ist physisch nur spärlich bestückt: lediglich seltsame Geräusche dominieren akustisch den Raum, visuell unterstützt von einigen Videoprojektionen und Schattenwürfen auf den Paravents, die die an der Ausstellung beteiligten Künstler in Bewegung, in Aktion zeigen. Der gemeinsame Nenner: Sprache, Schrift, Zeichen und Formen, die den Raum beherrschen und zur Dechiffrierung einladen. Aktion und Reaktion, das Apollinische.

Aktionsraum
Hinter den Paravents aus Papieren und Folien: Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien, Kunstwerke mit Buchstaben und Zeichen auf Papier oder Leinwand. Des Weiteren verlaufen zahlreiche Kabel auf dem Boden, die zu Mikrofonen und Lautsprechern führen. Davor sind diverse Werkzeuge wie Sägen und Hämmer zu schauen, verschiedene Pinsel, Stifte und Farben liegen ebenfalls auf dem Boden. Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde, so viel wird auf einen Blick deutlich, sind hier nicht nur ausgestellt, sondern müssen ebenso hier ihren Ursprung haben. Die Geräusche, die bereits im vorderen Teil des Raumes zu hören waren, wurden hier aufgenommen. Sounds vom Entstehen der Skulpturen und Objekte, das Dionysische.

We never thought about documentation
Was passiert, was bleibt und wie werden künstlerische Aktionen es im Nachhinein gesehen und bewertet – vor allem dann, wenn Sie performativ und ortsspezifisch sind? Die Ausstellung „WE NEVER THOUGHT ABOUT DOCUMENTATION” widmet sich den verschiedenen Facetten von künstlerischen Aktionen, um das vermeintlich Ungreifbare in eine Ausstellung zu überführen. Zentral für die Ausstellung ist dabei die Trennung von Besucherraum/Dokumentationsraum und Aktionsraum. Die dafür verwendeten Paravents ermöglichen einen semipermeablen Blick hinter die Kulissen, an denen am Eröffnungsabend die Bewegungen und Aktionen der beteiligten Künstler als Schattenspiele sichtbar werden. So fungieren die Paravents wie eine Projektionsfläche – ähnlich Fotografien von Performances, die die Aufführung vermeintlich dokumentieren, jedoch immer nur einen Ausschnitt zeigen können und das Dreidimensionale in Fläche verwandeln. Dem Aktionsraum wird in der Ausstellung der Status eines geheimnisvollen Ortes zuteil, wie es sonst nur das Künstleratelier besetzt. Sämtliche Objekte, die in der Ausstellung zu sehen sind, sind dort entstanden und legen die Spuren der Herstellungsprozesse offen. Durch das Wechselspiel durchdringen sich beide Räume akustisch und visuell, die den Besucher in die Rolle des Dokumentators versetzen. Der Besucherraum/Dokumentationsraum wird somit in einen Imaginationsraum verwandelt, der mit seiner minimalistischen Ausstaffierung Fragen aufwirft: Was passierte, was blieb und wie wird es im Nachhinein gesehen und bewertet?

Hendrik Bündge

Image:
Chrysanthi Koumianaki, Camouflage Lessons aftermath, pencil on paper, 20×30 cm, 2019