2021 | Der vierte Gärtner | Ronald Kodritsch

Ronald Kodritsch, Der vierte Gärtner, exhibition view MARTINETZ, 2021, photo: Tamara Lorenz
Ronald Kodritsch, Der vierte Gärtner, exhibition view MARTINETZ, 2021, photo: Tamara Lorenz
Ronald Kodritsch, Der vierte Gärtner, exhibition view MARTINETZ, 2021, photo: Tamara Lorenz
Ronald Kodritsch, Der vierte Gärtner, exhibition view MARTINETZ, 2021, photo: Tamara Lorenz
Ronald Kodritsch, Der vierte Gärtner, exhibition view MARTINETZ, 2021, photo: Tamara Lorenz
Ronald Kodritsch, Der vierte Gärtner, exhibition view MARTINETZ, 2021, photo: Tamara Lorenz
Ronald Kodritsch, Der vierte Gärtner, exhibition view MARTINETZ, 2021, photo: Tamara Lorenz

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Ronald Kodritsch
Der vierte Gärtner
Bis 09.04.2021

Der Versuch, ein Bild in Sprache zu fassen, scheitert in den meisten Fällen ebenso grandios wie das Bemühen, einen Traum nachzuerzählen. Im Traum verweigert die Zeit ihre Linearität, räumliche Dimensionen verschwimmen, Naturgesetze treten außer Kraft und Personen wechseln ihre Identität. Der Traum schert sich nicht um Logik, ebenso wenig wie sich die Malerei darum scheren muss. Und nicht nur in diesem Punkt berühren sich die beiden Sphären: Sowohl die Kunst als auch der Traum werden durch das Paradoxon bestimmt, einerseits fiktional, also „unwahr“, zu sein und gleichzeitig einer tieferen Wahrheit zur Erkenntnis zu verhelfen. Die Arbeiten von Ronald Kodritsch beziehen ihre Energie aus diesen beiden Antipoden von Fiktion und Wahrheit.

Ronald Kodritschs erste Ausstellung in der Galerie Martinetz versammelt unter dem Titel Der vierte Gärtner eine Auswahl an Bildern aus verschiedenen Serien des Künstlers. Bastards etwa, seine Serie skurriler Hundeportraits, die Bikinimädchen, die keiner Erwartungshaltung entsprechen, und nicht zuletzt die Fotoserie Maler und Modell, die ihn selbst in seinem fiktionalen Leben mit dem Model Kate Moss zeigt. Ergänzend zeigt die Ausstellung einige seiner Objekte, darunter die aus Bronze gegossenen Skulpturen überfahrener Katzen, und das Nähkissen Klaus, das als eine Art Voodoo-Puppe seines ehemaligen Galeristen gelesen werden kann. Erwartet man dem Ausstellungstitel gemäß aber eine Serie, die sich dem Gärtnern widmet, sucht man vergeblich. Der Titel lehnt sich an den Roman Der dritte Polizist an, einer absurd-komischen Geschichte, in der die Erzähl- und Zeitebenen fortwährend wechseln und die Naturgesetzte bis an die Grenzen des Erzählbaren infrage gestellt werden. Ronald Kodritsch, dessen Werk neben der Malerei nicht nur Foto und Video umfasst, sondern der selbst auch schon einen Roman geschrieben hat, testet die Grenzen des Erzähl- und Darstellbaren in seiner Kunst immer wieder aus. Dass die Malerei dabei sein primäres Medium bleibt, liegt sicherlich an jenem grundsätzlich grenzenlosen Potential, das ihr innewohnt: Auf der Bildfläche ist alles möglich, jenseits des sprachlich fassbaren.

Der 1970 in der Steiermark geborene Österreicher gab, von einer Zeitung nach seiner Empfehlung für Unternehmungen in seiner Heimatstadt gefragt, folgende Auskunft:“ Sollten Sie irgendwann in Leoben aussteigen müssen, spazieren Sie die Südbahnstraße entlang, über die Eisenbahnbrücke in die Münzenbergstraße 12. Dort wurden alle unsere Katzen überfahren und ich geboren.“ Lapidar bringt Kodritsch hier den Tod in seiner Alltäglichkeit ins Spiel und verknüpft ihn gleichzeitig mit dem Moment der Geburt, der Entstehung von Leben. Die Komik entsteht hier unwillkürlich durch die Gegensätze, die der Künstler gezielt aufeinander prallen lässt. Die überfahrenen Katzen aus seiner Kindheit gießt er in Bronze, macht sie somit unsterblich und in ihrer Unansehnlichkeit bildwürdig. Großformatiger Portraits würdig werden bei ihm außerdem Hunde. Im Stile repräsentativer Büstenbilder zeigt die Serie Bastards Hundeköpfe, die Charakterstudien gleichen. In der Betrachtung der Serie wird schnell deutlich, dass es sich hier nicht um eine Hommage an den Hund handelt, sondern um die Befragung unseres eigenen Blicks, den wir vornehmlich auf andere Menschen richten: Wie assoziieren wir bestimmte Attribute, welche Prägungen und Vorurteile beeinflussen unseren Blick auf Andere? Wirkung und Wirklichkeit stimmen hier selten miteinander überein.

Johanna Adam

Ronald Kodrtisch, Bastard, 120×90 cm, oil on canvas, 2019
Ronald Kodritsch, Maler und Modell, 2001
Ronald Kodritsch, Maler und Modell, 2001

Ronald Kodritsch
The Fourth Gardener
20.02. – 09.04.2021

The attempt to capture an image with words fails in most cases as spectacularly as an attempt to recount a dream. In dreams, time rejects its linearity, spatial dimensions become blurred, laws of nature cease to exist and people’s identities change. The dream cares as little about logic as painting has to. It is not only in this regard that the two spheres overlap: both art and dreams are determined on the one hand by the paradox of being fictional, i.e. ‘untrue’, and simultaneously enabling the recognition of a deeper truth. Ronald Kodritsch’s work draws its energy from these two antipodes, fiction and truth.

Ronald Kodritsch’s first exhibition at the gallery Martinetz brings a selection of paintings from the artist’s various series together under the title Der vierte Gärtner. Bastards, his series of bizarre dog portraits, the Bikinimädchen who do not meet any expectations, and last but not least the photographic series Maler und Modell, which shows his fictional life with the model Kate Moss. The exhibition additionally shows some of his objects, among them the sculptures of run over cats cast in bronze and the pin cushion Klaus, which can be read as a kind of voodoo doll of his former gallery owner. However, if you expect a series dedicated to gardening as the exhibition title suggests, your search will be in vain. The title is based on the novel The Third Policeman, an absurd and comical story in which both narratives and time lines are constantly changing and the laws of nature are thrown so far into question that they are pushed to the limits of what is narratable. Ronald Kodritsch, whose work in addition to painting includes not only photography and video, but who has also written a novel, constantly tests the limits of the narratable and representable in his art. The fact that painting remains his primary medium is surely due to its inherent, fundamentally limitless potential: anything is possible on the surface of the canvas, transcending what can be captured in words.

When asked by a newspaper about his recommendations for activities in his hometown, the Austrian, born in Styria in 1970, gave the following information: „If at any time you have to get off in Leoben, walk along Südbahnstraße, over the railway bridge to Münzenbergstraße 12. That’s where all of our cats were run over and I was born.” Kodritsch succinctly plays with the banality of death and at the same time links it to the moment of birth, the creation of life. Comedy arises here involuntarily through the contradictions that the artist deliberately collides together. He casts the run-over cats from his childhood in bronze, thus making them immortal and worthy of depiction in their unsightliness. He also renders dogs worthy of large-format portraits. In the style of representative busts, the series Bastards features dogs‘ heads resembling character studies. In viewing the series, it quickly becomes clear that this is not a homage to dogs, but rather a survey of our own gaze, that we primarily direct towards other people: how do we associate certain attributes? Which imprints and prejudices influence our gaze towards others? Here, effect and reality rarely coincide.

Johanna Adam