Julia Scher
Peter Bömmels
Evamaria Schaller
 

daemons forever

23.1. - 8.3.2026
 

Heimsuchungen sind keine lauten Ereignisse. Sie kommen schleichend. Sie beobachten, warten, nisten sich ein. Eine Heimsuchung ist der Moment, in dem etwas Fremdes Anspruch auf einen Körper erhebt – ohne ihn je ganz zu verlassen. In der Geschichte des Exorzismus sind es immer wieder weiblich gelesene Körper, die als heimgesucht gelten: als offen, durchlässig, gefährdet. Der Dämon braucht keinen Ort, er braucht einen Blick. Und dieser Blick richtet sich auffällig oft auf Frauen.

Die Heimsuchung beginnt mit dem Auge. Mit dem Gesehen-Werden, dem Beobachtet-Werden, dem Kontrolliert-Werden. Augen sind seit jeher Instrumente der Macht: göttliche Augen, väterliche Augen, institutionelle Augen. Sie prüfen, urteilen, markieren Abweichung. In exorzistischen Praktiken materialisiert sich dieser Blick als Überwachung des Körpers. Jede Regung wird zum Symptom, jede Abweichung zum Zeichen des Bösen. Der weibliche Körper ist Projektionsfläche für gesellschaftliche Ängste, moralische Ordnungen und patriarchale Kontrollfantasien.

Evamaria Schaller untersucht ausgehend von einer katholisch-konservativen Prägung Exorzismus als gegenwärtige Praxis der Machtausübung. Ihre Arbeiten verknüpfen Recherche, Performance und spielerische Systeme mit Fragen nach Heimsuchung, Unterwerfung und Widerstand. Puppen, Augenmechaniken und das Motiv des Spiels erscheinen als ambivalente Figuren zwischen Kontrolle und Befreiung, als Orte, an denen sich Macht einschreibt und zugleich verschieben lässt.
Exorzismus ist weniger ein Akt der Befreiung als ein Ritual der Sichtbarmachung. Etwas wird benannt, lokalisiert, ausgestellt. Der Körper wird zum Schauplatz eines Kampfes, der nicht ihm gehört. Männer sprechen im Namen Gottes, der Wissenschaft oder der Heilung. Frauen werden betrachtet, berührt, fixiert. Die Heimsuchung ist nicht der Dämon selbst, sondern das System, das ihn immer wieder hervorbringt.

Julia Schers Arbeiten thematisieren seit den 1980er-Jahren Überwachung, Sicherheit und Kontrolle als allgegenwärtige soziale Zustände. Ihre Installationen machen den Blick selbst zum Akteur: Kameras, Monitore und architektonische Setzungen erzeugen Situationen permanenter Beobachtung. Macht erscheint hier nicht abstrakt, sondern körperlich erfahrbar, als Gefühl, gesehen zu werden, ohne zurücksehen zu können.

In der Gegenwart hat sich dieses Blickregime vervielfacht. Überwachung ist nicht mehr nur religiös oder institutionell, sondern medial, algorithmisch, alltäglich. Social Media, KI-Avatare und toxische Online-Räume produzieren neue Augen, die nie schlafen. Der dämonisierte Körper wird geliked, kommentiert, bewertet. Das Private wird öffentlich, das Intime zur Ware. Auch hier sind es vor allem weiblich gelesene Körper, die reguliert, korrigiert und moralisch aufgeladen werden.

Peter Bömmels arbeitet mit Bildsystemen, Symbolen und Zeichen, die zwischen Sakralität, Pop und digitaler Kultur oszillieren. Seine Arbeiten untersuchen, wie Bedeutung erzeugt, stabilisiert und unterlaufen wird. Das Auge erscheint dabei als wiederkehrendes Motiv, als Zeichen von Erkenntnis, Kontrolle und metaphysischer Aufladung. Androgyne Körper und ambivalente Figuren durchkreuzen binäre Rollen- und Körperzuschreibungen und öffnen Räume jenseits eindeutiger Identifikation.

daemons forever liest Heimsuchungen als politische Zustände. Die Dämonen sind keine übernatürlichen Mächte, sondern Effekte von Blicken, Zuschreibungen und Machtverhältnissen. Puppen, Überwachungs- und Zeichensysteme verweisen auf ein Unheimliches, das nie ganz verschwindet. Die Künstler*innen entlarven die Heimsuchung als Struktur. Sie fragen nicht, was ausgetrieben werden muss, sondern wer schaut, wer spricht und wer gehorcht. Der Körper erscheint hier nicht als Ort der Besessenheit, sondern als Archiv von Einschreibungen – und als Ort möglicher Gegenblicke. Die Dämonen bleiben. Doch ihr Blick wird erwidert.

Text von Patrick Blümel
 

Julia Scher
Peter Bömmels
Evamaria Schaller
 

daemons forever

Opening: January 23rd 2026, 6-9 PM
Performance by Evamaria Schaller: 7 PM

 

Possessions are not loud events. They sneak up on you. They observe, wait, they nestle in. A possession is that moment when something foreign lays claim to a body – and never fully leaves it. Throughout the history of exorcism, it has always been bodies perceived as female that have been said to be possessed: open, permeable, vulnerable. The demon requires no place, only a gaze. And this gaze is strikingly often directed at women.

A possession begins with the eye. With being seen, being observed, being controlled. Eyes have always been instruments of power: divine eyes, paternal eyes, institutional eyes. They examine, judge, mark deviation. In exorcistic practices, this gaze materialises as a surveillance of the body. Each and every movement is a symptom, every deviation a sign of evil. The female body is a surface for the projection of social fears, moral orders and patriarchal fantasies of control.

Evamaria Schaller explores exorcism as a contemporary practice of exercising power from a Catholic-conservative perspective. Her work combines research, performance and playful systems through questions of possession, subjugation and resistance. Dolls, ocular mechanics and the motif of play appear as ambivalent figures poised between control and liberation, as places where power is inscribed and at the same time can be shifted.

An exorcism is less an act of liberation than a ritual of visualisation. Something is named, located, exhibited. The body becomes the scene of a battle that does not belong to it. Men speak in the name of God, science or healing. Women are gazed upon, touched, immobilised. The possession is not the demon itself, but the system that produces it time and again.

Since the 1980s, Julia scher's work has addressed themes of surveillance, security and control as omnipresent social conditions. Her installations turn the gaze itself into an actor: cameras, monitors and architectural settings create situations of permanent observation. Power does not appear abstract here, but can be experienced physically, as a feeling of being seen without being able to look back.

Today, the regime of the gaze has proliferated. Surveillance is no longer merely religious or institutional, but medial, algorithmic, and everyday. Social media, AI avatars and toxic online spaces produce new eyes that never sleep. The demonised body is liked, commented on and evaluated. The private is made public, the intimate a commodity. Here, too, it is primarily female bodies that are regulated, corrected and morally charged. 

Peter Bömmels works with image systems, symbols and signs that oscillate between the sacred, pop and digital culture. His work examines how meaning is created, stabilised and undermined. The eye appears as a recurring motif, as a sign of knowledge, control and being metaphysically charged. Androgynous bodies and ambivalent figures disrupt binary role and body attributions and open up spaces beyond clear identification.

daemons forever views possessions as political conditions. The demons are not supernatural powers, but rather the effects of gazes, attributions, and power relations. Dolls, surveillance systems, and systems of signs refer to an unsettling presence that never wholly goes away. The artists expose possession as a structure. They do not ask what needs to be exorcised, but who is watching, who is speaking and who is obeying. Here, the body appears not as a place of possession, but as an archive of inscriptions – and as a place of potential counter-gazes. The demons remain. But their gaze is returned.

Excerpt taken by the exhibition text written by Patrick Blümel
 

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